«Leben
in Georgien»
Werbung Kaum einer versteht englischsprachige
Werbebotschaften. Das versteht kaum ein Werber.
Bereits
im Jahr 2003 hatte die Firma Endmark, eines der führenden Unternehmen im so
genannten Benennungsmarketing, das Verständnis von englischsprachigen
Werbebotschaften in Deutschland untersucht. Das fatale Fazit damals: Nur gerade
50 Prozent der Deutschen waren in der Lage, die vermeintlich «trendy» wirkenden und inflationär gebrauchten englischen
Werbeslogans zu verstehen.
Zwar schien es kurzfristig fast so, als hätte
bei den deutschen Werbern ein Umdenken stattgefunden. Die Parfümerie-Kette
Douglas etwa, die früher mit «Come in and find out» (das fälschlicherweise oft
als «Komme herein und finde wieder hinaus» übersetzt wurde) Kundschaft in ihre
Läden zu locken versuchte, setzt heute auf den bodenständigen Claim «Douglas
macht das Leben schön». Und die TV-Station Sat.1, die damals noch «Powered by Emotions»
(«Strom durch Spass»?) war, «Zeigts»
nun schlicht «allen».
Doch längst nicht alle Unternehmen haben
ihre Lehren aus der damaligen Befragung gezogen. Der Autohersteller Ford
beispielsweise hat seine deutsche Werbebotschaft («Besser ankommen») längst
durch einen englischen Claim ersetzt: «Feel the Difference».
Gemäss einer aktuellen und
nun veröffentlichten Endmark-Befragung verstehen das zwar rund 55 Prozent der
Endverbraucher korrekt («Erlebe den Unterschied»). Manch einer glaubte indes,
der griffige Slogan bedeute «Fühle das Differenzial» oder gar «Ziehe die
Differenz ab!». Wenig Freude hätten wohl auch die Verantwortlichen von Adidas
mit der gewagten Interpretation ihres neuen Claims durch einen Teilnehmer der
Endmark-Studie. Dieser übersetzte die Werbebotschaft der Sportbekleidungsmarke
- «Impossible is Nothing» - mit «Ein imposantes Nichts».
Schlusslicht der aktuellen Studie ist indes der Slogan «Life by Gorgeous», der für den Jaguar
XK wirbt. Nur 8 Prozent der Befragten konnten die praktisch unübersetzbare
Werbebotschaft - laut Endmark soll es «Leben auf prächtig» heissen
- korrekt auf Deutsch wiedergeben. Einige glaubten gar «Life by Gor- geous» bedeute «Leben in
Georgien» - nicht gerade schmeichelhaft für ein Auto der Luxuskategorie.
Nicht viel besser schneidet der Spruch «Because Change
happenz» der Zurich
Financial Services («Weil Veränderung passiert» oder freier: «Weil sich die
Lebensumstände ändern») ab. Nur 10 Prozent der Befragten begriffen laut Endmark
diesen Claim. Dabei dürfte das orthografisch falsche
«z» am Ende, das auf die Marke «Zurich» verweisen
soll, nicht eben viel zum Verständnis beigetragen haben.
Doch so komisch es klingen mag: Ob eine Werbebotschaft verstanden wird, sagt
noch lange nichts darüber aus, wie sie der Konsument aufnimmt. So begriffen
laut der Studie nur gerade 23 Prozent der Befragten die Bedeutung des
Burger-King-Slogans «Have It
Your Way» - trotzdem fanden ihn 50 Prozent gut.
Bernd Samland bezeichnet das als «Popmusik-Effekt»: Schliesslich würden auch Songs von Menschen gekauft, die
den Text der Musik nicht verstünden, so der Endmark- Geschäftsführer. Er warnt
aber: «Es ist fatal, daraus die Schlussfolgerung zu ziehen, die wörtliche
Bedeutung eines Claims wäre generell egal. Denn wenn Missverständnisse die
Positionierung und Wahrnehmung des Produkts verändern, geht dies zulasten des
Verkaufserfolgs.»
Befragt wurden von Endmark ausschliesslich Personen, die der von der Wirtschaft oft
als «werberelevant» bezeichneten Zielgruppe der 14-
bis 49-Jährigen angehören. Zwar orteten die Autoren im Allgemeinen eine Art
«Verständnisgefälle» zwischen Jung und Alt. Doch die Jüngeren seien nicht immer
durch einen Wissensvorsprung aufgefallen. Oft verstanden alle Altersgruppen nur
noch «Bahnhof».
